1951-57: Letzte Schaffensjahre

Als Steisslinger 1951 als 60-jähriger in sein von den Kriegsschäden gezeichnetes Böblinger Haus zurückkehrt, äußert er die Überzeugung, dass „seine beste Zeit erst jetzt komme“. Und er meint damit die Zeit einer Synthese seiner vielseitigen malerischen Vorstöße, aus denen sich sein umfangreiches Lebenswerk zusammensetzt. Viel Zeit sollte dem Künstler freilich nicht mehr bleiben. Nur noch etwa 30 Ölgemälde und rund doppelt so viele Gouachen konnten entstehen.

Vom Juni 1952 bis Februar 1953 hält sich Steisslinger wieder in Südamerika auf, reist durch Argentinien, Chile, Peru und Brasilien. Bei den in Peru entstandenen Aquarellen fällt die großzügige, dünnflüssige Malweise auf. Steisslinger zeichnet und mal die einheimische Bewohner in den Küstenorten und auf den Fazendas in ihrer kräftig bunten Kleidung und in würdevoller Erscheinung. Die in Südamerika erfahrene und angewandte Intensivierung des Kolorits überträgt Steisslinger in Böblingen auf die Darstellungen seines Gartens. Die in lockerer Pinselführung aufgetragenen Beschreibungen werden zu Chiffren aus Licht und Gegenstand. Mit dem ständigen Hinausreichen der Bildmotive über das zur Verfügung stehende Bildformat verweist Steisslinger auf seine Vorstellung einer Lebensfülle.

1956 reist er zusammen mit seiner Frau das letzte Mal nach Brasilien, um in Teresopolis seinen neugeborenen Enkel Hans Werner zu besuchen. Am 23. Februar 1957 erleidet er einen Schlaganfall. Als er bei vollem Bewusstsein in die Klinik nach Tübingen transportiert wird, lautet sein lapidarer Kommentar: „Nun habe ich halt ein paar Bilder weniger gemalt“. Am 16. März 1957 stirbt Fritz Steisslinger in der Neurologischen Klinik in Tübingen.

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